Infomaterial · Seele

Die Sprache der Seele: was dein Schmerz dir sagen möchte

Manche Beschwerden bleiben, obwohl körperlich alles getan ist. Dann lohnt der Blick auf die Ebene darunter: auf Lebensthemen, alte Prägungen und auf das, was dein Körper für dich mitträgt.

Lesezeit etwa 18 Minuten oder 21 Seiten als PDF

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  • 21 Seiten, 14 Kapitel, etwa 18 Minuten Lesezeit
  • Eine Körperkarte von Kopf bis Fuß zum Nachschlagen
  • Zu jeder Region ein mögliches Thema und ein Gedanke, der es bewegt
  • Inneres Kind, Ahnenlinie und was aus früheren Leben mitkommt

Kostenlos, ohne Haken.

Es gibt Menschen, bei denen ist körperlich alles getan. Die Ernährung stimmt, das Nervensystem hat gelernt, wieder herunterzufahren, die Behandlung greift. Und trotzdem kommt der Schmerz zurück. Immer an derselben Stelle, immer nach ein paar Wochen.

Früher habe ich in solchen Fällen noch genauer am Gewebe gearbeitet. Heute stelle ich eine andere Frage: Was war eigentlich in deinem Leben los, als das zum ersten Mal angefangen hat?

Diese Frage hat mehr Rücken befreit als jede zusätzliche Technik, die ich gelernt habe. Nicht weil sie zaubert, sondern weil sie einen Zusammenhang sichtbar macht, den der Mensch selbst schon lange ahnt und sich nur nie erlaubt hat, ihn ernst zu nehmen.

Dass ich so arbeite, kommt nicht aus dem Lehrbuch. Es kommt aus vielen Jahren Praxis und aus der Zeit, die ich mit schamanischen Lehrern verbracht habe, unter anderem im Dschungel von Peru. Dort ist selbstverständlich, was bei uns fast verloren gegangen ist: dass der Mensch nicht nur ein Körper ist, der repariert wird, sondern eine Seele, die etwas erlebt.

Das hier ist die dritte Säule. Bei der Ernährung geht es darum, was du dem Körper gibst. Beim Nervensystem darum, in welchem Zustand er das verarbeiten kann. Und hier geht es darum, wofür das Ganze eigentlich gut sein soll.

Ein Mensch sitzt im Morgenlicht auf der Bettkante, die Hand auf dem eigenen Herzen

Die Seele hat keine Stimme. Sie kann nicht anrufen und sie kann nicht schreiben. Was sie hat, ist der Körper.

Wenn in deinem Leben etwas aus dem Gleichgewicht gerät, meldet sie sich zuerst leise. Als ein Gefühl, das du nicht so recht einordnen kannst. Als Unruhe am Abend. Als der Gedanke, den du seit Monaten wegschiebst.

Wird es überhört, wird es lauter. Erst eine Verspannung. Dann ein Ziehen. Dann Schmerz, der nicht mehr weggeht.

In diesem Bild ist Schmerz keine Strafe und kein Defekt. Er ist ein Klopfen an der Tür. Und wie jedes Klopfen wird er lauter, solange niemand aufmacht.

Das erklärt etwas, das viele aus eigener Erfahrung kennen: Warum eine Behandlung gut tut, aber nur eine Weile hält. Wir haben das Klopfen leiser gemacht. Wer draußen steht, ist damit nicht geklärt.

Der Körper flüstert, bevor er schreit.

Ein Mensch steht am Fenster und hält sich die schmerzende Lendenwirbelsäule

Drei Dinge sind mir wichtig, bevor du weiterliest. Sie gehören zu diesem Thema dazu wie das Geländer zur Treppe.

Erstens: Schmerz gehört zuerst abgeklärt. Immer. Ein Bandscheibenvorfall bleibt ein Bandscheibenvorfall, eine Entzündung bleibt eine Entzündung, und es gibt Beschwerden, hinter denen etwas steckt, das schnell behandelt werden muss. Die seelische Ebene kommt dazu, sie ersetzt nichts. Wenn du Beschwerden hast, geh damit zu deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Zweitens: Du bist nicht schuld an deiner Krankheit. Das ist mir wirklich wichtig, weil manche Bücher zu diesem Thema genau diesen Eindruck hinterlassen. Niemand denkt sich Krebs herbei und niemand hat Rückenschmerzen, weil er zu wenig an sich gearbeitet hat. Es geht nicht um Schuld, sondern um Zusammenhang. Der eine macht klein, der andere macht frei.

Drittens: Das hier ist Erfahrung, kein Beweis. Es gibt keine Studie, die zeigt, dass die Leber für Wut zuständig ist. Diese Zuordnungen kommen aus alten Heiltraditionen, aus der chinesischen Medizin, aus der schamanischen Arbeit und aus dem, was Therapeuten über Generationen an ihren Patienten beobachtet haben. Ich schreibe sie trotzdem auf, weil ich in der Praxis erlebe, wie viel in Bewegung kommt, wenn jemand für sich selbst den Zusammenhang erkennt.

Nimm also, was bei dir anklingt. Und lass liegen, was nicht passt. Du bist der einzige Mensch, der das entscheiden kann.

Kurz gesagt: erst abklären lassen, dann in Ruhe hinschauen. Und alles, was hier steht, ist ein Angebot zum Nachspüren, keine Diagnose.

Wo etwas weh tut, ist selten Zufall. In den alten Traditionen hat jede Körperregion ein Lebensthema, und dieses Thema ist erstaunlich gleich geblieben, egal welche Kultur man fragt.

Auf der nächsten Karte siehst du die wichtigsten Stellen auf einen Blick. Danach gehen wir sie einzeln durch, mit einem möglichen Thema und einem Gedanken, der es in Bewegung bringt.

So nutzt du sie: Such die Region, die bei dir am lautesten ist. Lies das Thema. Und dann warte kurz, bevor du weiterliest. Wenn etwas dran ist, merkst du es meistens im Bauch, nicht im Kopf. Es fühlt sich an, als wäre etwas erkannt worden.

Und wenn nichts kommt, ist auch das eine Antwort. Eine Landkarte ist nicht die Landschaft.

Die Sprache weiß es längst. Schau dir an, wie wir über Gefühle reden. Wir sagen nicht, dass wir belastet sind. Wir sagen, dass uns etwas schwer im Magen liegt. Wir sagen nicht, dass wir Verantwortung tragen. Wir sagen, dass wir viel schultern müssen.

Diese Sätze sind nicht zufällig entstanden. Über Generationen hat die Sprache genau dort hingezeigt, wo etwas im Körper spürbar wird, lange bevor jemand ein Wort wie Psychosomatik erfunden hat. Die Weisheit steckt schon drin. Wir müssen sie nur wiedererkennen.

Kopf„Ich zerbreche mir den Kopf.“Denken, das nicht mehr aufhört.
Hals„Ich muss etwas herunterschlucken.“Worte und Ärger, die nicht raus dürfen.
Nacken„Mir sitzt der Chef im Nacken.“Druck und Erwartung, die von hinten drücken.
Schultern„Ich muss viel schultern.“Verantwortung, die auf einem liegt.
Brustkorb„Das nimmt mir die Luft zum Atmen.“Enge und Druck, bis der Atem flach wird.
Herz„Mein Herz ist schwer.“Kummer, der ein Gewicht hat.
Rücken„Kein Rückgrat haben.“Sich nicht aufrichten, nicht für sich einstehen.
Galle„Mir läuft die Galle über.“Wut, die überkocht.
Magen„Das liegt mir schwer im Magen.“Etwas, das nicht verdaut ist.
Knie„Ich habe weiche Knie bekommen.“Angst nimmt die Standfestigkeit.
Füße„Den Boden unter den Füßen verlieren.“Sicherheit und Halt gehen weg.

Davon gibt es Dutzende, und fast jede zeigt auf dieselbe Stelle, an der auch die Karte etwas einträgt. Wenn du magst, hör in den nächsten Tagen einmal darauf, welche Redewendung dir selbst am häufigsten herausrutscht. Das ist oft der ehrlichste Hinweis, den du bekommen kannst.

Körperkarte mit den wichtigsten Regionen und ihren Lebensthemen, von Kopf bis Fuß
Die Karte gibt es im PDF in groß zum Ausdrucken.

Jetzt Stück für Stück. Die Fragen am Ende jedes Abschnitts sind keine Rätsel mit Lösung. Sie sind Türklinken.

Kopf und Kopfschmerzen

Denken, Grübeln, Kontrolle

Menschen mit häufigen Kopfschmerzen leben oft sehr weit oben. Viel Verstand, viel Analyse, viel Vorausdenken. Alles muss durchdacht, abgesichert und im Griff sein. Der Kopf arbeitet, während der Rest des Körpers kaum noch vorkommt.

Was versuchst du gerade zu kontrollieren, das sich nicht kontrollieren lässt?

Hals, Kehle und Schilddrüse

Ausdruck und Wahrheit

Der Hals ist die Verbindung zwischen Kopf und Herz und damit unser Ausdrucksorgan. Hier wird es eng, wenn etwas gefühlt, aber nicht gesagt wird. Der Satz, den du seit Jahren mit dir herumträgst. Das Nein, das du nie ausgesprochen hast. Die Schilddrüse sitzt genau dort, und auffällig viele Menschen mit Schilddrüsenthemen erzählen mir, dass sie sich nie getraut haben, ihre Wahrheit zu sagen. Meistens steckt eine Erfahrung dahinter: Wer wirklich sagt, was er fühlt, wird verurteilt, ausgelacht oder gar nicht erst gehört. Also lernt man, es für sich zu behalten.

Was möchte gesagt werden, und wem?

Nacken und Schultern

Verantwortung und Last

Die Sprache verrät es selbst: etwas lastet auf den Schultern, jemand trägt schwer, einer hat zu viel auf dem Buckel. Es geht um Verantwortung, die von außen kommt, und um Verantwortung, die wir uns selbst auferlegt haben. Meistens ist die zweite die schwerere. Wer für alle mitdenkt, trägt irgendwann alle mit.

Welche Last trägst du, die dir eigentlich niemand aufgetragen hat?

Schultergelenk

Überlastung und die Frage nach dem Maß

Wenn die Schulter selbst dicht macht, geht es oft nicht mehr um Verantwortung, sondern schlicht um zu viel. Zu viel Arbeit, zu viel Fürsorge, zu viel Vorwärts. Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers. Wenn ausgerechnet sie steif wird, ist meistens vorher die Beweglichkeit im Leben verloren gegangen.

Wo hast du das Maß aus den Augen verloren?

Herz und Brustkorb

Fühlen, Nähe, Trauer

Das Herz macht zu, wenn Fühlen zu weh getan hat. Nach einem Verlust, nach einer Enttäuschung, nach einer Kindheit, in der Gefühle nicht willkommen waren. Dann wird der Brustkorb eng, die Atmung flach, die Schultern ziehen nach vorn. Der Körper baut eine Rüstung um etwas, das eigentlich offen sein möchte.

Welches Gefühl lässt du gerade nicht zu, weil du ahnst, wie groß es ist?

Brustwirbelsäule

Festgehaltene Gefühle

Die Brustwirbelsäule ist der Bereich hinter dem Herzen. Hier landet, was gefühlt, aber nicht gelebt wurde. Alte Trauer, verschluckter Ärger, ein Abschied, der nie richtig zu Ende gegangen ist. Manche Menschen bekommen genau hier keine Luft mehr, und es ist nichts an der Lunge.

Was hast du nie zu Ende geweint?

Leber und Galle

Wut, Zorn, Groll

Die Leber ist in fast allen alten Heiltraditionen das Organ der Wut. Nicht der lauten, die rausdarf, sondern der stillen, die geschluckt wird. Groll, der jahrelang gehalten wird, gegen einen Menschen, gegen eine Ungerechtigkeit, gegen sich selbst. Auch hier hat die Sprache es längst gewusst: Etwas läuft dir über die Leber.

Auf wen bist du wütend, und wie lange schon?

Magen und Darm

Verdauen und Loslassen

Der Magen steht für das, was wir nicht verdauen können. Eine Nachricht, eine Situation, eine Kränkung. Der Darm steht für das Loslassen. Wer alles behalten muss, wer nichts abgeben kann, wer festhält an dem, wie es früher war, macht sich hier unten eng. Reizdarm und Verstopfung tauchen auffällig oft in Lebensphasen auf, in denen jemand etwas gehen lassen müsste und es nicht kann.

Was liegt dir schwer im Magen? Und was dürftest du endlich abgeben?

Lendenwirbelsäule

Urvertrauen und Angst

Der untere Rücken trägt den ganzen Menschen. Er hat mit dem Fundament zu tun: mit Geld, mit Sicherheit, mit der Frage, ob das Leben einen hält. Existenzangst sitzt fast immer hier. Und auffällig oft meldet sich der untere Rücken genau dann, wenn im Außen etwas wackelt, das jemandem Halt gegeben hat.

Wovor hast du Angst, wenn du ganz ehrlich bist?

Becken und Blase

Druck, Lust, Lebensfreude

Im Becken wohnt die Lebenskraft. Sexualität gehört dazu, aber es ist mehr als das: Lust am Leben, Schöpferkraft, das Feuer, aus dem Neues entsteht. Wenn hier alles dicht ist, ist meistens auch die Freude weg. Die Blase steht für Druck. Wer ständig unter Druck steht, spürt es oft als Erstes dort.

Wann hast du das letzte Mal etwas aus reiner Lust getan, ohne Zweck?

Hüfte

Der Schritt nach vorn

Die Hüfte bringt uns vorwärts. Sie meldet sich, wenn innerlich längst eine Entscheidung gefallen ist und im Außen nichts passiert. Der Job, von dem du weißt, dass er nicht mehr deiner ist, und du gehst trotzdem jeden Morgen hin. Die Beziehung, in der du innerlich schon lange nicht mehr bist. Der Umzug, der immer wieder verschoben wird.

Das ist der häufigste Zusammenhang, den ich in der Praxis sehe. Und der unangenehmste, weil die Lösung nicht auf der Liege liegt, sondern im Leben.

Welchen Schritt weißt du längst, traust dich aber nicht zu gehen?

Knie

Beweglichkeit und Demut

Das Knie beugt sich. Es steht für Flexibilität und für die Fähigkeit, sich zu beugen, ohne zu brechen. Steife Knie gehen oft mit steifen Überzeugungen einher: so und nicht anders, das war schon immer so, da gibt es nichts zu diskutieren. Manchmal steckt auch das Gegenteil dahinter, nämlich sich zu oft gebeugt zu haben.

Wo bist du zu starr, und wo hast du dich zu weit gebeugt?

Füße

Erdung und Standpunkt

Die Füße sind unsere Verbindung zur Erde. Sie tragen uns, sie halten uns, sie bringen uns nach Hause. Fußprobleme tauchen häufig bei Menschen auf, die sehr weit oben leben und wenig Kontakt zum Boden haben. Und sie tauchen auf, wenn jemand keinen eigenen Standpunkt hat oder wenn der Boden, auf dem er steht, ihm nicht mehr gehört.

Wo stehst du gerade, und ist das dein eigener Boden?

In der Dorntherapie geht das übrigens noch viel feiner. Dort hat jeder einzelne Wirbel ein eigenes Thema. Das führt hier zu weit, aber wenn dich das interessiert, sprich mich in der Praxis darauf an.

Es gibt eine Beobachtung, die viele erstaunt, wenn sie zum ersten Mal davon hören: Es macht einen Unterschied, auf welcher Seite etwas passiert.

In den alten Traditionen steht die linke Seite für das Weibliche, für Yin: fühlen, empfangen, ruhen, nach innen gehen. Die rechte Seite steht für das Männliche, für Yang: handeln, geben, nach außen wirken, Struktur schaffen. Beide brauchen wir, unabhängig davon, ob wir Mann oder Frau sind.

Wenn bei jemandem über Jahre immer nur eine Seite betroffen ist, immer nur links die Schulter, immer nur links das Knie, immer nur links der Unfall, dann lohnt der Blick auf dieses Gleichgewicht. Meistens wird eine der beiden Kräfte zu stark gelebt und die andere kommt zu kurz. In unserer Zeit ist das fast immer dasselbe Muster: zu viel Machen, zu wenig Sein.

Dazu kommt eine zweite Ebene. Die linke Seite wird der mütterlichen Linie zugeordnet, die rechte der väterlichen. Wenn also immer dieselbe Seite spricht, kann es auch um etwas gehen, das aus einer dieser beiden Linien mitkommt. Dazu gleich mehr.

Übersicht: die linke Seite steht für das Weibliche, die rechte für das Männliche

Bei sehr vielen Menschen ist das aktivste Thema nicht das von heute, sondern das von damals.

Dabei geht es nicht nur um schwere Traumata. Viel häufiger sind die kleinen, die im Alltag passiert sind, ohne dass es jemand böse gemeint hat. Ein Kind, das gelernt hat, dass es Ruhe geben muss, damit der Frieden bleibt. Ein Kind, das gemerkt hat, dass es Anerkennung nur für gute Noten gibt. Ein Kind, das getröstet werden wollte und hörte, dass man sich nicht so anstellen soll.

Solche Sätze verschwinden nicht. Sie werden zu einer Überzeugung, und die Überzeugung wird zum Betriebssystem. Ich muss etwas leisten, damit ich geliebt werde. Ich darf nicht zur Last fallen. Ich bin erst dann genug, wenn alles fertig ist.

Und dann sitzt da ein Erwachsener von fünfzig Jahren in meiner Praxis, arbeitet sich seit drei Jahrzehnten kaputt und versteht nicht, warum sein Rücken nicht mehr will. Der Rücken hat es längst verstanden. Er trägt die Last eines Kindes, das immer noch beweisen möchte, dass es dazugehört.

Das Schöne daran: Diese Stimmen lassen sich beruhigen. Nicht durch mehr Leistung, sondern dadurch, dass sie zum ersten Mal jemand hört. Manchmal reicht dafür schon der Moment, in dem jemand ausspricht, was er als Kind gebraucht hätte.

Ein altes Kinderfoto liegt neben einer Tasse Tee auf einem alten Holztisch

Manches, was wir mit uns tragen, haben wir nie selbst erlebt.

Ich sehe das besonders oft bei den Nachkommen der Kriegsgeneration. Da ist eine Angst, für die es im eigenen Leben keinen Anlass gibt. Ein Sparen, das nie aufhören kann. Eine Härte gegen sich selbst, die keiner erklären kann. Und wenn man ein paar Fragen stellt, kommt eine Großmutter zum Vorschein, die mit vier Kindern aus Schlesien geflohen ist und darüber nie ein Wort verloren hat.

Was nicht ausgesprochen und nicht in Frieden gebracht wird, bleibt in der Familie. Es wird weitergereicht, meistens ohne Worte, über Blicke, über Verhalten, über das, was niemals Thema sein darf. Und es wandert so lange durch die Generationen, bis einer stehen bleibt und hinschaut.

Für mich ist das der bewegendste Teil dieser Arbeit. Denn wer diesen Kreis durchbricht, tut das nicht nur für sich. Er löst es nach hinten für die, die es nicht konnten, und nach vorn für die, die nach ihm kommen. Ein Mensch, der sich dieser Sache stellt, verändert eine ganze Linie.

Es gibt für diese Arbeit gute Wege: Familienaufstellungen, traumatherapeutische Begleitung, in meinem Fall auch das Gebet und die Rituale, die ich von meinen Lehrern gelernt habe. Welchen Weg du wählst, ist zweitrangig. Dass hingeschaut wird, ist das Entscheidende.

Alte Familienfotos auf einer Kommode, daneben eine brennende Kerze und getrocknete Blumen

Hier wird es für manche zu viel, und das ist völlig in Ordnung. Überspring das Kapitel, der Rest funktioniert auch ohne.

Ich gehe davon aus, dass wir nicht zum ersten Mal hier sind. Dass die Seele viele Leben lebt und aus jedem etwas mitnimmt. Das Gelöste bleibt als Reife. Das Ungelöste bleibt als Thema.

Woran ich das festmache, sind die Muster, die sich nicht erklären lassen. Eine Angst, für die es keinen Anlass gibt. Ein Konflikt, der in jeder neuen Beziehung wieder auftaucht, obwohl die Menschen völlig verschieden sind. Ein Schicksal, das sich wiederholt, als hätte es sich vorgenommen, gesehen zu werden. Karmisch nennt man das, aber das Wort ist nicht wichtig.

Wichtig ist die Haltung dahinter: Nichts davon ist Strafe. Es ist eine unerledigte Aufgabe, die geduldig wartet. Und sie wartet so lange, bis jemand sie annimmt.

Warum ich mir da sicher bin. Ich sage das nicht vom Hörensagen. Ich erinnere mich selbst an Leben, die vor diesem lagen. An Zeiten auf dieser Erde und an Erfahrungen, die nicht von hier waren. Für mich gibt es daran keinen Zweifel. Ob du das genauso siehst, musst du selbst wissen, überzeugen möchte ich dich davon nicht.

Sternenhimmel über bewaldeten Bergen, im Vordergrund ein kleines Lagerfeuer

Ängste ohne Anlass. Am deutlichsten wird es bei Ängsten, für die es keinen Grund gibt. Eine Angst ist nie einfach so da. Hinter jeder liegt etwas, das angeschaut werden möchte. Nur liegt es manchmal nicht in diesem Leben.

Ein Beispiel, das mir immer wieder begegnet: eine sehr starke Angst vor Spinnen. In der Kindheit ist nichts passiert, es gibt keinen Vorfall, keine Geschichte dazu, und trotzdem ist die Angst riesig. In Rückführungen taucht dann manchmal ein Bild auf: Der Mensch war eingesperrt, in einem Verlies, im Dunkeln, ohne Möglichkeit zu fliehen. Und dort waren Spinnen und Ungeziefer, die über ihn gelaufen sind. Vielleicht ist er dort gestorben. Was bleibt, ist keine Erinnerung mit Worten, sondern eine Urangst, die im nächsten Leben jedes Mal anspringt, sobald eine Spinne auftaucht.

Deshalb ist ein starker Trigger ohne erkennbaren Anlass für mich immer ein Hinweis. Wenn es in diesem Leben keinen Bezug dazu gibt, liegt der Ursprung oft weiter zurück.

Das heißt nicht, dass jede Angst karmisch ist. Viele Phobien haben handfeste Auslöser und lassen sich verhaltenstherapeutisch sehr gut behandeln, oft in erstaunlich wenigen Sitzungen. Wenn dich eine Angst im Alltag einschränkt, ist das der erste Weg. Wenn dieser Weg aber nichts findet, woran er ansetzen kann, lohnt der Blick tiefer.

Für diese Ebene braucht es meistens Unterstützung. Rückführungen können hier viel öffnen, ebenso Menschen mit einer echten Gabe für das Sehen. Sei dabei wählerisch. Ein guter Begleiter macht dich unabhängiger, nicht abhängiger.

Nicht jeder Schmerz hat eine Botschaft. Manchmal hast du einfach falsch gelegen. Diese Hinweise sprechen dafür, dass mehr dahintersteckt:

  • Die Beschwerden kommen immer an derselben Stelle wieder, obwohl körperlich alles getan ist.
  • Sie haben in einer bestimmten Lebensphase angefangen, und du weißt genau in welcher.
  • Sie werden schlimmer, wenn ein bestimmter Mensch oder ein bestimmtes Thema auftaucht.
  • Behandlungen helfen zuverlässig, aber immer nur für ein paar Tage.
  • Beim Lesen dieses Textes ist dir eine Stelle sofort ins Auge gesprungen, und dein Bauch hat reagiert, bevor dein Kopf es einordnen konnte.

Der letzte Punkt ist der verlässlichste. Der Körper antwortet schneller als der Verstand, und er lügt schlechter.

Du brauchst dafür nichts außer zwanzig Minuten und ein Blatt Papier. Kein Handy in Reichweite. Schreib mit der Hand, das ist langsamer, und langsamer ist hier ein Vorteil.

  1. Wann hat es angefangen? Nicht ungefähr, sondern so genau wie möglich. Welcher Monat, welches Jahr. Und dann: Was war in dieser Zeit in deinem Leben los?
  2. Wann wird es besser, wann schlimmer? Nicht nur bei Bewegung und Wetter. Auch bei welchen Menschen, an welchen Wochentagen, in welchen Situationen.
  3. Wenn dieser Schmerz sprechen könnte, was würde er sagen? Denk nicht nach, schreib den ersten Satz auf, der kommt. Auch wenn er unsinnig klingt. Gerade dann.
  4. Was wäre anders, wenn er morgen weg wäre? Diese Frage ist die unbequemste. Manchmal kommt heraus, dass der Schmerz gerade auch etwas erledigt: eine Grenze zieht, für Ruhe sorgt, eine Entscheidung aufschiebt.

Leg den Zettel danach weg und lies ihn nach drei Tagen noch einmal. Was dann noch stimmt, stimmt wirklich.

Wenn ich eines in all den Jahren gelernt habe, dann das: Der Körper heilt nicht, weil wir hart an ihm arbeiten. Er heilt, wenn wir aufhören, gegen uns zu kämpfen.

Freude ist dabei kein hübsches Extra, sondern ein Zustand, in dem der ganze Organismus anders arbeitet. Das Nervensystem schaltet um, die Muskulatur lässt los, die Atmung wird tief, die Verdauung läuft, die Reparaturprozesse starten. Und Menschen, die Sinn in ihrem Leben empfinden und sich verbunden fühlen, kommen nachweislich besser durch Krankheiten als Menschen, die allein und ohne Sinn dastehen.

In meinem Bild fließt aus einem offenen Herzen Licht in jede Zelle. Und tatsächlich gibt es etwas, das man messen kann: Zellen geben sehr schwaches Licht ab, man nennt es Biophotonenemission. Was das genau bedeutet, ist wissenschaftlich offen, und ich behaupte nicht mehr, als hier steht. Für mich ist es ein Bild, das gut beschreibt, was ich unter den Händen spüre, wenn bei jemandem etwas aufgeht.

Deshalb frage ich in der Praxis irgendwann fast immer dasselbe: Was macht dir eigentlich Freude? Erstaunlich viele Menschen müssen erst lange überlegen. Und genau da fängt die Arbeit an.

Sonnenlicht fällt in Strahlen durch einen Wald auf eine bemooste Lichtung

Das ist der Teil, an den ich glaube, und ich sage bewusst glaube, nicht weiß.

Wir sind nicht in erster Linie ein Körper, der eine Seele hat. Wir sind eine Seele, die einen Körper benutzt, um hier etwas zu erleben. Wir sind geistige Wesen, die sich freiwillig in eine begrenzte Erfahrung begeben haben: in Zeit, in Schwere, in Trennung. Nicht als Strafe, sondern um Dinge zu erfahren, die es ohne Begrenzung nicht gibt.

Und wir kommen alle aus derselben Quelle. Wie man sie nennt, ist mir ziemlich gleichgültig. Gott, das Große Geheimnis, das Feld, das Leben. Die Namen sind verschieden, das Gemeinte ist überall dasselbe.

In den Kulturen, bei denen ich lernen durfte, wird von Menschen erzählt, die außergewöhnlich alt werden, weil sie mit dieser Ebene nie den Kontakt verloren haben. Nachprüfen lässt sich das selten, Geburtsurkunden gibt es dort kaum, und ich möchte hier keine Zahl behaupten, die ich nicht belegen kann. Was mich daran berührt, ist ohnehin etwas anderes: Diese Menschen haben keine Angst vor dem Alter. Sie halten sich nicht für ein Ablaufdatum mit Beinen.

Bei uns ist mit achtzig alt und mit vierzig zu spät. Vielleicht ist das die eigentliche Krankheit, an der wir leiden.

Ein schmaler Pfad führt durch hohes Sommergras in eine weite Landschaft im Abendlicht

Keine Sorge, ich fange nicht bei der Begrüßung mit deinen Ahnen an.

Bei mir läuft es so: Zuerst arbeite ich am Körper. STR, Faszien, Dorn, Schröpfen, was gerade gebraucht wird. Das ist Handwerk und das bleibt die Grundlage. Wenn dabei etwas auftaucht, spreche ich es an. Manchmal ist es nur ein Satz: Das hier fühlt sich an, als würdest du etwas tragen.

Dann entscheidest du. Manche winken ab, und das ist völlig in Ordnung, die Behandlung ist deswegen nicht weniger wert. Andere fangen an zu erzählen, und dann geht es auf einmal um ganz andere Dinge als um den Rücken.

Für alle, die tiefer gehen möchten, gibt es zusätzlich das Gebet und die rituelle Arbeit, die ich von meinen Lehrern gelernt habe. Auch das ist ein Angebot und keine Bedingung.

Was ich dir zusagen kann: Du wirst hier nicht zu etwas überredet. Und du wirst nicht komisch angeschaut, egal was du erzählst.

Dieser Leitfaden ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die beschriebenen Zuordnungen stammen aus Erfahrungswissen und alten Heiltraditionen, sie sind wissenschaftlich nicht belegt und stellen keine Diagnose dar. Beschwerden gehören immer zuerst ärztlich abgeklärt. Wenn es dir seelisch sehr schlecht geht, hol dir bitte professionelle Hilfe, zum Beispiel bei deiner Hausärztin, einem Psychotherapeuten oder unter der Telefonseelsorge, kostenfrei unter 0800 1110111.

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Dann bring es mit. In der Praxis ist Platz dafür, auch wenn wir eigentlich am Rücken arbeiten.

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